Reisebericht Tunesien Oktober 2008, Lines und Martl

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Martl
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Reisebericht Tunesien Oktober 2008, Lines und Martl

Beitrag von Martl » 18. Nov 2008, 12:47

Hallo liebe Lcfs,

nach reichhaltiger Bildersortierung und zahlreichen Abgleichen zwischen Leimen und Dachau kann ich nun endlich einen Reisebericht schreiben. Kompakt wird wohl sicherlich die schlechteste Beschreibung. Insbesondere Jürgens brilliante Bilder zwingen mich dazu, das Ganze etwas ausufern zu lassen, auch wenn ich hier natürlich nur einen Bruchteil einstellen kann.

Für meinen guten Freund und Reisepartner Rainer und mich ging es in der Nacht von 17. auf 18.10. um 01.00 Uhr in Dachau los. Als Treffpunkt war die Autobahnraststätte Bellinzona in der südlichen Schweiz vereinbart.
Schon hier hat sich gezeigt, wie clever ich meinen Reisepartner ausgewählt habe: Rainer ist Koch und macht zufällig die besten Schnitzel Süddeutschlands. Da wir, wie erwartet, deutlich zu früh in Bellinzona ankamen haben wir also erstmal die Küche in Betrieb genommen und Schnitzel gemacht (wer weiß wanns wieder was gibt). Um 06.30 Uhr trafen auch Gaby und Jürgen ein und nach einem kurzen Kaffee ging es Richtung Genua.
Bis Genua hatte ich mich noch nicht festgefahren!

Wenn zwei Sicherheitsfanatiker planen, kommen gewaltige Sicherheitszuschläge dabei raus. Gegen elf kamen wir also in Genua an. Das Schiff ging um 22.00 Uhr. Da man aber nie weiß, was sich in den div. Hafenbüros so abspielt, hatten wir uns entschieden absolut rechtzeitig vor Ort zu sein. Von zwei Stunden daheim nervös rumsitzen hätten wir auch nichts gehabt. Und mit jeder Stunde wurde es spannender im Hafengelände. Immer mehr Geländewagen sind eingetroffen und vor allem immer mehr Gastarbeiter die einen regen Warenverkehr in Richtung Süden pflegen:
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Man beachte die vortreffliche Spiegelung in meinem Außenspiegel!
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Macht euch nie wieder Gedanken um einen Dachträger. Hat man eine Reling auf dem Auto reicht ein Lattenrost oder ein Stück Gartenzaun sowie ein paar Schnürchen um einen halben Hausstand zu transportieren.
Aber auch wer keine Reling hat, hats leicht. Es ist kein Problem, ein Mofa direkt aufs Dach zu legen und mittels einer Schnur anzubinden.

Im Hafenbüro hiess es nun den Check-In und die Polizeikontrolle zu absolvieren. Die schwachsinnige Idee ein mehrsprachiges Infoblatt auszuhängen hat man dort erst gar nicht. Also gibts ein fröhliches Hin und Her weil die wenigsten wissen wohin man nun zuerst muss, was man ausfüllen muss und was dann damit passiert. Nach 1 ½ Stunden war das aber auch erledigt. Zwischenzeitlich hat Rainer und mich natürlich wieder der Hunger gepackt. Während andere an Stullen nagen, machen wir uns....macht Rainer uns angebräunte Maultaschen mit Röstzwiebeln
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Zwischenzeitlich waren auch unsere Reisepartner aus Österreich eingetroffen und so verbrachten wir ratschend, planend und div. Autos bestaunend den späten Nachmittag bis es auf unsere Fähre, die Splendid ging.
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Rainer und ich hatten uns ursprünglich gedacht: Die Sache mit den Scheelmann-Sitzen reicht uns....um nach einem kurzen Blick in dieses zum arabischen Picknick-Raum umgewidmete Etablissement doch eine Kabine zu nehmen.
Alle waren wir recht euphorisch, endlich ging es los, aber natürlich auch müde.
Noch ein kurzes, mittelprächtiges und rel. teures Abendessen
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und nach ein paar Bierchen an Deck gingen wir recht bald schlafen.

Am nächsten Morgen erwartete uns ein herrlich friedliches Mittelmeer Bild

Den Tag haben wir intensiv planend und gut gelaunt totgeschlagen
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und mit einem leichten Sonnenbrand beendet.
Auch an diesem Tag habe ich mich nicht festgefahren.

In Tunis angekommen wurde gerade die Carthage entladen und wir wurden so langsam unruhig. Irgendwann durften wir wieder zu den Autos (was auf einem Schiff mit vielen Italienern und Tunesiern natürlich absolut ruhig und geordnet verläuft) um anschließend mit umfangreichem Hupeinsatz von der Fähre und auf tunesischen Boden zu rollen.
Die Hafenkontrollen durch div. Behörden verliefen gut. Rund eine Stunde nach Verlassen der Splendid sind die ersten von uns aus dem Hafengelände gerollt. Man zeigt einfach immer artig seinen mittlerweile auf vier cm angewachsenen Stapel Papiere, läuft von Station zu Station um ein reichhaltiges Sammelsurium an Stempeln zu erhalten, meldet brav sein GPS an (wonach aber kein Mensch nie wieder nicht frägt) um an der Hafenausfahrt nochmal alles herzuzeigen.

Vor dem Tor stand bereits unser Führer Mouldi (unseren österreichischen Reisepartnern bereits von einer Tunesien- und einer Libyentour bestens bekannt). Wir haben uns noch kurz auf einen CB-Kanal verständigt und sind dann Richtung Touri-Bunker in Karthago abgefahren.
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Dort waren erstmal zwei wichtige Schritte zu erledigen: Abendessen! Tunesisches Bier trinken! Nebenbei haben wir den Tourplan abgesteckt und sind dann recht früh schlafen gegangen.
Auch wenn ich bereits in Afrika war, das Gefühl, mit dem eigenen Auto über afrikanischen Boden zu fahren, Straßenschilder auf arabisch vor sich zu haben und zu wissen dass man eine spannende Reise vor sich hat ist einfach gigantisch!
Ich hatte mich immer noch nicht festgefahren!

Am nächsten Morgen sind wir um ca. 09.00 Uhr abgefahren. Erst ging es kurz in Mouldis Heimatort um dort zu tanken,
Bild und bei Mouldis ausgesprochen netter Familie mit einem obligatorischen Tee empfangen zu werden.
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Hier habe ich zum ersten Mal Sandrosen gesehen und wollte direkt anfangen zu sammeln
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Habe dann aber lieber noch einen Tee getrunken, der war leichter.

Es ging weiter nach Dougga. Die grösste nordafrikanische Ausgrabungsstätte punischer und römischer Ruinen.
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Natürlich hat sich umgehend ein Führer angeboten uns einige Erklärungen zu liefern.
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Und zwischendurch wurde ausnahmsweise fotografiert
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Wir waren über einen kleinen Weg an einen abgesperrten Parkplatz gefahren, parkten, nach europäischen Verhältnissen, wild in der Botanik und haben uns noch gewundert wie man an einer so großen Ausgrabungsstätte nur so einsam sein kann...Am anderen Ende der Ausgrabung, direkt beim Amphitheater, war der Busparkplatz.

Zügig ging es weiter, wir mussten noch etwas Strecke machen. Unsere erste Camp-Nacht haben wir auf einem brach liegenden Feld in der Nähe von Gafsa verbracht.
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Unser Führer Mouldi kannte den Besitzer, anders hätten wir uns vermutlich blöd gesucht nach einem geeigneten Stellplatz.
Ich hatte mich noch nicht festgefahren!

Auch am nächsten Tag, mittlerweile Dienstag 21.10. sollte es zeitig um 08.30 Uhr losgehen.
An diesem Tag wollten wir in die Seldja-Schlucht bei Metlaoui und anschliessend weiter über den Chott el Jerid in Mouldis eigene Oase südwestlich von Douz.

Die Schlucht war absolut genial!
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Nach einem ca. einstündigen Fußmarsch haben wir an einem der zahlreichen Palmenhaine eine kurze Rast eingelegt
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Der Jüngste der Truppe war natürlich schon völlig erledigt und hatte schwer mit sich zu kämpfen überhaupt den langen Rückmarsch anzutreten und doch nicht einsam in dieser Schlucht zu verdursten:
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Nur ein Argument konnte ihn davon überzeugen an diesem Punkt nicht aufzugeben: „Du darfst heute noch im Sand spielen“

Mit dieser psychologischen Überdosis Red Bull im Körper ging es frisch, fromm, fröhlich, frei zurück zu den Autos. Von hier aus hätten wir noch ein Stück Rommelpiste in Angriff nehmen können. Das wäre aber zeitlich verdammt knapp geworden und wir hätten uns noch weiter der algerischen Grenze genähert.
Nachdem wir Touzeur passiert hatten ging es über den Chott el Jerid Richtung Kebili. Diese endlose, absolut ebene Fläche muss man gesehen bzw. erlebt haben.

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Nachdem wir den Chott verlassen haben waren bereits ersten Dünen sichtbar, nur wir fuhren weiter auf Teer und weiter auf Teer und weiter Teer, weiter Teer, Teer, Teer,.......quälende, unendliche 30Km lang!

Ohne irgendein Zeichen oder einen Hinweis sind wir plötzlich abgebogen. Ja wohin eigentlich? Ins vermeintliche Nichts? Ist das etwa Sand unter unseren Rädern? Natürlich kamen mir sofort folgende Gedanken:
- Umgehend Luft ablassen!
–Reduktion!
-Ist genug Bier eingekühlt?
–Sperre!
-Sandbleche auspacken!
-Schaufel und Bergegurt griffbereit haben!
–Wasserknappheit, etc....
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Aber: ich hatte mich ja nochtmal festgefahren!!!!

Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich!
Zuletzt geändert von Martl am 18. Nov 2008, 14:09, insgesamt 1-mal geändert.
Schwarzes Auto mit Zeugs dran.
Sandfarbenes Auto mit Zeugs drin.

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smiller
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Beitrag von smiller » 18. Nov 2008, 13:34

Weiter so :!:
Besten Gruss aus der Nähe von B*e*e*e*d
Christoph
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Hagen
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Beitrag von Hagen » 18. Nov 2008, 17:15

Toll geschrieben

das macht süchtig nach mehr

LG
Hagen
Man sollte mit seinen Mitmenschen so umgehen, dass man jeden Abend in den Spiegel gucken kann.
_____________________________________

Ein Kluger merkt alles,ein Dummer macht zu allem eine Bemerkung. "Heinrich Heine"


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Cid
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Beitrag von Cid » 18. Nov 2008, 19:26

Klasse!!! Freue mich schon auf die Fortsetzung!!!

Viele Grüße
Markus (Cid)
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Tscharlie
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Beitrag von Tscharlie » 18. Nov 2008, 19:34

Was für ein viel versprechender Prolog :!:

Bilder, atmosphärisch dicht wie von einem Profi-Fotograf, dazu ein Helmut-Karasek-Preis würdiger Begleitkommentar - echt fesselnd und zum "Hineinversenken", Jungs !

Ganz ordinär gesagt : GEIL :!:

Danke, BildMartlines !

MEEEEHR davon !

Begeisterte Grüße,
Tscharlie
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Beitrag von Capitano » 18. Nov 2008, 20:22

:D

Mach doch bitte weiter! :beifall:

Wir wollen doch alle an Eurem Urlaub teilhaben!


Viele Grüße


Helmut
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Auch Wasser wird zum edlen Tropfen, mischt man es mit Malz und Hopfen!

Wundere dich nicht über das breite Dauergrinsen. Das bleibt, solange man dieses Auto fährt! (Seb., 2008)

Was glaubt Ihr, was in unserem Land los wäre, wenn alle wüssten, was in unserem Land los ist!

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smiller
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Beitrag von smiller » 18. Nov 2008, 20:46

Capitano hat geschrieben:
...Wir wollen doch alle an Eurem Urlaub teilhaben!
Auch wenn wir Alle wissen, dass Urlaub ja eigentlich privat ist, sind wir schrecklich neugierig, wie's Euch weiterso erging.

Konkrete Frage hinsichtlich CB-Funk, der in Tunesien ja genehmigungspfliochtig bzw. verboten ist. Habt Ihr in Städten, bei der Einreise Antennen, Mikros etc. versteckt?
Besten Gruss aus der Nähe von B*e*e*e*d
Christoph
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Beitrag von Cid » 18. Nov 2008, 20:56

@Doc: Wann geht es bei Dir los und was ist das IBS in Deiner Signatur?? Ich kenn wohl ABS oder YPS mit dem Gimmick :roll:

Viele Grüße
Markus (Cid)
Zuletzt geändert von Cid am 18. Nov 2008, 21:07, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von smiller » 18. Nov 2008, 21:06

Cid hat geschrieben:@Doc: Wann geht es bei Dir los und was ist das IBS in Deiner Signatur?? Ich kenn wqhl ABS oder YPS mit dem Gimmick :roll:
...Cid)
Ich bin noch genau eine Woche in Deutschland. Und am 15.12. wieder, voraussichtlich.
IBS ist kein Gimmick, sondern high tech.
http://www.ibs-dual-battery.ch/dbs_d1_uC.html Ein kleiner Link zum ermitteln Bild
Besten Gruss aus der Nähe von B*e*e*e*d
Christoph
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lines
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Beitrag von lines » 18. Nov 2008, 21:41

smiller hat geschrieben:
Capitano hat geschrieben:
...Wir wollen doch alle an Eurem Urlaub teilhaben!
Auch wenn wir Alle wissen, dass Urlaub ja eigentlich privat ist, sind wir schrecklich neugierig, wie's Euch weiterso erging.

Konkrete Frage hinsichtlich CB-Funk, der in Tunesien ja genehmigungspfliochtig bzw. verboten ist. Habt Ihr in Städten, bei der Einreise Antennen, Mikros etc. versteckt?
Hallo Christoph,

ja richtig, bereits in Genua habe wir die Antennen abgebaut, sowie die Funkgeräte getarnt. Außerhalb des Hafens von Tunis haben wir dann wieder alles montiert.
Nur einmal hatte uns Muldi aufgefordert, den Funk nicht zu nutzen, als wir unmittelbar an einem riesigen Polizeigebäude in Tunis vorbei fuhren - ansonsten hat sich niemand um den Funk gekümmert.

Was in diesem Jahr für mich neu war, ist die Deklaration des GPS. Man marschiert in das entsprechende Büro, hat das GPS und den Reisepass dabei, dann wird ein Dokument von dem Beamten ausgefüllt, du unterschreibst und fertig. Von diesem Dokument will niemand mehr etwas wissen. Wir haben das Dokument für den Fall der Fälle, man weis ja nie, ausfüllen lassen.

Viele Grüße

Jürgen
Wenn die Zeit kommt, in der man könnte,
ist die Zeit vorüber, in der man kann.

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