Survival-Wochenende

Wochenendtouren oder kleine Fluchten aus dem Alltag.
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4motionmike
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Survival-Wochenende

Beitrag von 4motionmike » 7. Feb 2016, 18:04

Hallo LcF,

es ist zwar schon eine ganze Weile her, aber ich möchte euch einen Wochenendtrip vom Sommer 2015 nicht vorenthalten.
Christian (mein Schwager, den hier im Forum ja auch Einige kennen) und ich hatten zu Weihnachten einen Gutschein für ein Survival-Wochenende bekommen. Ich schaue sehr gerne die entsprechenden Sendungen im Fernseher an und gebe dazu immer besonders qualifizierte Kommentare ab. Jetzt musste ich also selbst dran glauben.
Der Gutschein kam von Jochen Schweizer. Es gibt verschiedene Standorte, die sich auch von den Kursinhalten bissel unterscheiden. Am Bestem hat uns das Angebot im Harz gefallen: http://www.survivaltours-abenteuer.de/
Der Kontakt zu Rene war schnell hergestellt und der Termin war dann am 25./26. Juli. Im Vorfeld hat er uns mitgeteilt, was wir alles mitbringen
- müssen: Schlafsack, Isomatte, ein gescheites Messer
- dürfen: Ausrüstungsgegenstände, die wir schon immer mal richtig testen wollen.
Das fand ich sehr gut. Denn wann hat man sonst mal die Gelegenheit, sowas wirklich zu machen.

Am Freitag Abend fuhr ich nach Erfurt zu Christian. Kurz vorm Ziel überholte mich auf der Autobahn ein schöner J9. Die beiden Besitzer kannte ich sporadisch aus dem Offroad-Forum. In Erfurt holte ich sie wieder ein und während einer Rotlichtphase standen wir nebeneinander und unterhielten wir uns kurz. Die Beiden kamen gerade aus ihrem Urlaub zurück – Pyrenäen oder Korsika, ich weiß es nicht mehr. Es ist leider nicht viel zu erkennen.
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Am nächsten Morgen ging’s dann in den Harz. Dort angekommen wurden wir schon von unserem Kursleiter Rene, seiner Frau und der Schwiegertochter erwartet. Ein weiterer Teilnehmer (Robert) kam kurz darauf auch an, zwei hatten kurzfristig abgesagt. Rene hat erst mal unsere Autos bewundert; so was in der Richtung würde auch gut zu ihm passen. Wir fuhren dann ein kleines Stück über Feldwege zum Wald. Unsere Autos durften wir am Waldrand abstellen. Da für die Nacht schwere Stürme angekündigt waren, sagte Rene wir sollen die Autos besser mitten auf der abgemähten Wiese parken. Da hat er den richtigen Riecher gehabt, denn als wir am nächsten Tag wieder zurückkamen, war am Waldrand eine großer Nadelbaum umgestürzt. Das hätte böse ausgehen können.

Das Waldstück hat er gepachtet, es gibt sogar eine kleine Quelle in unmittelbarer Nähe. Er darf dort auch sehr viel machen, nur nicht jagen, Fallen aufbauen, …

Er hatte Einiges für uns dabei, unter anderem ein Huhn, das noch nicht wusste, dass dies sein erster und aber gleichzeitig auch letzter Wochenendausflug sein wird.

Vor Ort mussten wir uns dann erst mal unsere Behausung für die Nacht bauen. Es war uns freigestellt ob jeder was Eigenes baut oder etwas zusammen. Christian und ich entschieden uns für eine gemeinsame Unterkunft. Aus dem herumliegenden Totholz bauten wir alle dann unseren Schlafplatz auf. Da sehr starker Regen kommen sollte, hatte Rene Planen dabei, damit wir alles auch einigermaßen wasserdicht bekamen.
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Rene ließ uns viele Sache komplett selbstständig machen und wäre nur einschritten, wenn’s gefährlich geworden wäre.
Danach haben wir unseren Lagerplatz aufgebaut: Lagerfeuer, Sitzplätze, … Laut Rene waren Christian und ich die Ersten, die auf die Idee kamen die Baumstämme erhöht aufzubauen, um bequemer sitzen zu können.
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Nachdem das Feuer an war, gingen wir durch den Wald und über die angrenzenden Wiesen.
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Dort zeigte uns Rene was es alles nützlich gibt, um z. B. Tee zu kochen, oder das Essen zu würzen. Tee kochen bietet sich auch im Sommer an, denn wenn man das Wasser eh abkochen muss, dann kann’s ja auch noch bissel Geschmack bekommen. Wir hatten zwar eine kleine Quelle, aber das Wasser, das da raus kam war sehr wenig und es stand auch gleich wieder. Daher war Abkochen auf jeden Fall sicherer.

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4motionmike
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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von 4motionmike » 7. Feb 2016, 18:20

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Rene hatte noch drei Suppenhühner dabei. Zwei davon kamen übers Feuer zum Grillen.
Für das andere Huhn brauchte es bissel mehr Vorbereitung. Wir mussten erst ein Loch graben, da kam dann viel Glut rein. Die Glut wurde mit Pestwurz abgedeckt. Darauf kam das Huhn. Vorher haben wir es mit Zwiebeln, Knoblauch und Kräutern gefüllt. Das Huhn wurde auch mit Pestwurzblättern eingewickelt. Darauf kam dann eine mehrere Zentimeter dicke Erdschicht. Obendrauf machten wir wieder ein großes Feuer, damit auch hier wieder viel Glut entstand. Das ganze blieb dann 3 Stunden im Boden. So ein leckeres Hühnchen hab ich noch nie gegessen. Mich stört bei der gegrillten Variante, dass das Fleisch immer sehr trocken ist. Hier war es aber so, dass durch die Pestwurzblätter außen und den Kräutern, Zwiebeln, … das Fleisch sehr saftig war. Bei der Variante darf man nur nicht ungeduldig werden. Denn wenn man das Huhn wieder zu früh raus holt, bzw. nicht darauf achtet, dass oben immer genug Glut drauf ist, holt man nach 3 Stunden ein noch halb rohes Huhn raus.
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Mit einem sehr einfachen Rezept haben wir uns dann noch einen herzhaften Teig für Stockbrot gemacht – sehr lecker.
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Natürlich gab’s auch die obligatorischen Maden, besser gesagt Mehlwürmer - ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Bei den kleinen Viechern ist es echt kein Problem, die Größeren sind dann wohl ekliger. Richtig lecker haben sie geschmeckt, als wir sie mit Zwiebeln und Knoblauch im Topf geröstet haben.
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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von 4motionmike » 7. Feb 2016, 18:49

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Ach ja. Da war ja noch da lebende Huhn. Da es ihm bei uns so gut gefiel, hat es sogar noch ein Ei gelegt. Nun ging es ihm aber trotzdem an den Kragen. Rene übernahm das Schlachten und da von den anderen keiner so recht wollte, habe ich dann nach Anleitung vom Chef den Rest übernommen. Er zeigte uns eine witzige und für den Winter nützliche Variante. Wir rupfen die Federn nicht raus, sondern das Huhn wurde komplett gehäutet. Dadurch hat man am Schluss eine wärmende Mütze. Außerdem kann man mit der Mütze in einem See versuchen, sich schwimmend an Enten oder ähnliches heranzupirschen. Soll eine sehr gute Tarnung sein. Das Huhn war noch mit reichlich ungelegten Eiern gefüllt, die natürlich auch mitgegessen wurden.
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In unserem Fall war das Huhn aus der Haltung von Rene, somit war der Verzehr absolut unbedenklich. Im Ernstfall wäre es ja irgendein Viech, das man draußen gefangen hätte, Ente, Fasan, … Da man nicht weiß, wie’s mit Parasiten aussieht, sollte man bei der Zubereitung auf Nummer sicher gehen. Diese Methode haben wir dann auch hier benutzt. Wir zerlegten das Huhn und teilten alles Essbare in die Bundeswehrtöpfe auf. Ich fand es interessant wie viele Eier (besser gesagt Eigelbe) noch in so einem Huhn sind. Dann kam Wasser dazu, bissel was zum Würzen und dann haben wir die Töpfe an den Rand des Lagerfeuers gestellt. Dort standen sie dann den ganzen späten Nachmittag und Abend. Erst am nächsten Morgen, nachdem das Lagerfeuer wieder an war und unsere Hühnersuppe nochmal aufgekocht war, haben wir alles aufgegessen. Das hatte dann gleichzeitig auch den Vorteil, dass wir gleich was Warmes im Magen hatten.

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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von 4motionmike » 7. Feb 2016, 19:46

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Im Laufe des Nachmittags sind wir losgezogen und haben vertrocknetes Gras und Birkenrinde gesammelt, um uns Zunderröllchen zu bauen. Dabei hat uns Rene auch gezeigt wie man verkohlten Baumwollstoff herstellt und damit dann auch Feuer anmachen kann.
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Solange es noch hell war haben wir genug Feuerholz für die Nacht und den nächsten Morgen gesammelt.

Am Abend gab’s am Lagerfeuer noch eine Überraschung. Rene hatte an diesem Tag Geburtstag und nichts besseres zu tun, als diesen Tag mit uns zu verbringen. Zur Feier des Tages hatte er eine Flasche Schierker Feuerstein dabei, die dann die Runde ums Lagerfeuer machte. Da wir ja nicht so viele waren, hatten wir auch was davon.
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In der Nacht gab’s teilweise heftige Sturmböen, und es hat über uns in den Bäumen immer wieder verdächtig geknackt, aber außer kleinen Ästen kam nichts runter. Wenn es zu gefährlich geworden wäre, dann hätte Rene auch abgebrochen. Er wohnt im Nachbarort, daher wären wir schnell in einem sicheren Bereich gewesen.

Irgendwann sind dann die ersten in ihrer Behausung und sind in den Schlafsack gekrochen.
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Christian und ich haben uns dann alleine liebevoll um den Schierker Feuerstein gekümmert – nicht, dass er noch schlecht wir und verschimmelt. Rene gab uns noch die Aufgabe mit, dass derjenige, der morgens als Erster aufsteht gleich wieder das Feuer in Gang bringt.
Ich habe sehr gut geschlafen, unsere Behausung hielt dem Regen und auch dem Wind stand. Ich wurde dann irgendwann morgens wach. Bestimmt wäre ich nochmal eingeschlafen, aber ich wollte die Zeit im Wald auch ausnutzen. Daher bin ich raus aus dem Schlafsack und habe mich mit dem Feuer machen versucht. Wir hatten noch Zunderröllchen; nach ein paar Versuchen mit dem Feuerstein hatte ich dann auch das Feuer wieder entfacht. Ist gar nicht so schwer, schwieriger ist, dass das Feuer dann nicht wieder ausgeht. Man sollte ich vorher die Zeit nehmen und kleine Häufchen mit Feuerholz machen. Erst ganz kleine dünne Äste, dann einen Haufen mit bissel größeren Ästen, … Ansonsten ist die Zunderrolle ruckzuck verbrannt, noch bevor das Holz Feuer gefangen hat.

Nach unserer leckeren Hühnersuppe zeigte uns Rene noch wie man mit Feuerbohren zum Erfolg kommt – oder auch nicht. Die Methode ist echt knifflig, man muss die richtigen Gegenstände haben und auf Dauer wird’s auch anstrengend.
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Zum Abschluss haben wir dann unser Lager wieder zurück gebaut. Das heißt, die Behausungen wurden abgerissen und das Totholz wieder im Wald verteilt. Zum einen sollte die nächste Gruppe ja auch wieder bei null anfangen, andererseits ist es auch gegenüber der Natur richtig und wichtig alles wieder ursprünglich zu verlassen.

Fazit: Ich habe coole Leute kennengelernt.
Ich habe viele neue Sachen gelernt.
Ich hatte die Möglichkeit eigene Ideen auszuprobieren.
Ich konnte eigene Ausrüstungsgegenstände mal richtig testen.

Es war also alles in allem ein sehr schönes Wochenende.

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Liebe Grüße,

Michael.
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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von Sarpe » 7. Feb 2016, 20:39

Heh, super Bericht.
Sehr interessant.

Danke dass du das mit uns teilst.

4motionmike hat geschrieben: - müssen: ein gescheites Messer

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Das war aber hoffentlich nicht dein gescheites Messer ! :old:
Gruß Stefan.

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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von 4motionmike » 8. Feb 2016, 00:04

Hallo Stefan,

das Messer gehört unserem Guide. Zum Häuten war es genial. Hab auch zu spüren bekommen, wie scharf es ist - hab mir damit ordentlich in den Finger geschnitten.


Liebe Grüße,

Michael.
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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von sgm » 8. Feb 2016, 09:55

Cooler Bericht - anscheinend hattet ihr jede menge Spaß :)
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so throw off the bowlines. sail away from the safe harbor. catch the trade winds in your sails.
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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von GOGOL » 8. Feb 2016, 14:36

Moin Michael,

super interessanter Bericht! Das mit den Würmern muss nicht unbedingt sein. Ansonsten war es sicherlich lustig und spannend.

Wir haben den Rene auf der "Adventure Northside", einer Outdoormessse in Vethem / Walsrode, kennengelernt. Er hatte dort einen Stand und machte Vorführungen u. A. zum Feuermachen in der Wildnis. Das war schon interessant! Die Messe selbst hatte einen ganz anderen Touch als z.B. Kissingen. Kleiner, familiärer und einfach originell.

Liebe Grüße

Marlis & Jörn
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...und immer schön fröhlich bleiben!
Landcruiser LC120 Exe, 173 PS, grün, UFS RASTA, 90L Original-Zusatztank, ARB Windenstoßstange, WARN M8000, Höherlegung, Spurverbreiterung, 285/70 Cooper STT/MT, 285/70 Toyo Open Country A/T/AT, Safari Snorkel, Diff.-Sperren vorn und hinten, Rockslider, Heckstoßstange mit Radträger, HT-Advanced Fahrw.
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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von Michi070166 » 8. Feb 2016, 16:39

Da fehlt ja nur noch Bierbrauen... :old:
Grüße vom Fuzzymobil, Michi.
Die beste Erfindung nach dem Differentialgetriebe ist die Differentialsperre.
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Re: Survival-Wochenende

Beitrag von 4motionmike » 8. Feb 2016, 18:10

Hallo,

wir wollten eigentlich auch sehr gerne auf die Messe gefahren, aber es war uns dann doch bissel zu weit.
Rene hat das echt super gemacht. Er hat uns sein Wissen sehr gut vermittelt, aber ohne rechthaberisch rüber zu kommen. Wir konnten immer auch versuchen, unsere Ideen auszuprobieren. Was auch von Anfang an klar war: es wurde niemand gezwungen etwas zu machen, was er nicht wollte, z. B. Mehlwürmer essen.


Liebe Grüße,

Michael.
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